Ein schwerwiegender Sicherheitsvorfall hat in der Nacht zum Mittwoch den Flugbetrieb am Flughafen Leipzig/Halle zeitweise zum Erliegen gebracht. Im Sicherheitsbereich des Frachtflugbetriebs wurde eine Drohne mit einer unbekannten Sprengvorrichtung entdeckt. Zudem soll ein weiteres unbekanntes Flugobjekt mit einem Frachtflugzeug zusammengestoßen sein.
Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Dresden wurde die Drohne in der Nacht vom 4. auf den 5. August gegen 23.40 Uhr von einem Flughafenmitarbeiter in der Nähe der südlichen Start- und Landebahn gefunden. Der Bereich befindet sich auf dem Gelände des Frachtflugbetriebs und gehört damit zur kritischen Infrastruktur.
Bundespolizei und Landespolizei sperrten den betroffenen Bereich weiträumig ab. Zur Untersuchung der Drohne und des daran befestigten Gegenstandes kam auch ein Sprengstoffroboter zum Einsatz. Spezialkräfte der Bundespolizei entfernten schließlich den Zünder der Sprengvorrichtung.
An dem Einsatz waren neben Bundes- und Landespolizei auch Bombenexperten, die Kriminalpolizei der Polizeidirektion Leipzig, die Flughafenfeuerwehr und der Rettungsdienst beteiligt. Der Flugbetrieb wurde nach dem Fund zunächst vollständig eingestellt.
Mehrere ankommende Flugzeuge mussten an andere Flughäfen umgeleitet werden. Betroffen waren nach Angaben aus der Nacht unter anderem Frachtmaschinen, die in Leipzig/Halle landen sollten. Auch eine Passagiermaschine wurde umgeleitet, geplante Starts verzögerten sich.
Nach einer umfassenden Kontrolle des Flughafengeländes konnte der Flugbetrieb auf der Nordpiste gegen 1.55 Uhr wieder aufgenommen werden. Die Südpiste blieb zunächst gesperrt. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft sollte sie am Mittwoch ohnehin wegen geplanter Wartungsarbeiten nicht genutzt werden.
Der Passagierverkehr sei inzwischen nicht mehr beeinträchtigt. Für Passagiere und Mitarbeiter des Flughafens bestehe nach derzeitigem Stand keine Gefahr für Leib und Leben.
Neben der Drohne mit der Sprengvorrichtung beschäftigt ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt die Ermittler. Dieses soll mit einem Frachtflugzeug zusammengestoßen sein, nachdem die Maschine wegen der zuvor gesperrten Landebahn ihren Landeanflug abbrechen und wieder durchstarten musste.
Das Flugzeug landete anschließend in Hannover. Dort wurden leichte Beschädigungen an der Maschine festgestellt. Weitere Einzelheiten zu dem Objekt oder zum Ablauf des Zusammenstoßes teilten die Behörden zunächst nicht mit.
Die Ermittlungen wurden von der Zentralstelle Extremismus Sachsen bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden und dem Polizeilichen Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum des Landeskriminalamtes Sachsen übernommen.
Sachsens Innenminister Armin Schuster bezeichnete die Ereignisse als „sehr ernsten Sicherheitsvorfall“. Landes- und Bundessicherheitsbehörden arbeiteten seit der Nacht mit hoher Intensität zusammen. In die Untersuchungen seien unter anderem das Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen und die Drohnenabwehr der Bundespolizei eingebunden.
Schuster erklärte zudem, er stehe wegen des Vorfalls in ständigem Austausch mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt.
Das Landeskriminalamt Sachsen bittet Zeugen um Mithilfe. Gesucht werden Hinweise zu verdächtigen Personen, Fahrzeugen und Fahrzeugbewegungen im Bereich des Flughafens Leipzig/Halle. Relevant ist der Zeitraum vom Nachmittag des 4. August bis zum Morgen des 5. August 2026. Auch Beobachtungen oder Beiträge aus sozialen Netzwerken und dem Internet können für die Ermittlungen von Bedeutung sein.
Hinweise nimmt das Landeskriminalamt unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 200 8000 sowie über das Hinweisportal sn.hinweisportal.de entgegen.
Weitere Angaben zu den Hintergründen, zur Bauart der Sprengvorrichtung oder zu möglichen Tatverdächtigen machten die Behörden unter Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren zunächst nicht.